Pandinus imperator

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpions)
Familie: Scorpionidae
Gattung: Pandinus (Thorell, 1872)
Art: imperator (Koch, 1842)
Trivialname: Kaiserskorpion



Herkunft und Vorkommen
Dieser Pandinus ist in Afrika beheimatet. Seine Verbreitung erstreckt sich über die Länder Kongo, Demokratische Republik Kongo, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Guina-Bissau, Nigeria und Togo. Dort hält er sich in tropischen Regenwäldern und Feuchtsavanne n auf. Er gräbt Wohnhöhlen im Erdreich in denen er sich aufhält. Auch unter Steinen oder umgefallenen Bäumen ist er zu finden.

Giftigkeit
Diese Art ist als mindergiftig einzustufen. Man spricht hier von einer Vespenstich-Symptomatik. Der Stich verursacht mässige bis starke Schmerzen ist aber ohne weitere Folgen. Dennoch können sich allergische Reaktionen des Körpers einstellen.

Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede
Der Pandinus imperator zählt mit zu den größten bekannten Skorpionen der Welt. Er erreicht eine Größe von bis zu 20cm. Einzelne Berichte, beschreiben auch Tiere mit einer Größe von 25cm. Meist trifft man allerdings deutlich kleinere Tiere, durchschnittlich mit 15-18cm an.
Meine Beobachtungen zeigen, dass die Tendenz deutlich nach unten geht, s.d. man mit 15cm bereits im oberen Bereich der Skorpiongrößen angesiedelt ist. Wildfänge sind hierbei auch nicht ausgenommen und fallen oft deutlich kleiner aus, als gewohnt. Gerade aber die Nachzuchten bleiben recht klein, was ihrer Faszination aber keinen Nachteil zu Teil werden lässt.
Der Körper des P. imperator ist durchgehend dunkel (schwarz) gefärbt, wobei die Beine hier auch leicht bräunliche Färbungen aufweisen können. Die Scheren, sowie die Giftblase adulter Tiere ist rot-bräunlich gefärbt und sich deutlich und kräftig ausgeprägt. Der Skorpion ist recht stark granuliert, wobei die Scherenhände weicher abgezeichnet sind. Jungtiere haben eine oftmals eine abweichende Färbung. Diese sind zunächst weiss-gräulich und gehen mit zunehmenden Instaren in die dunkle Färbung über. Das Telson ist anfangs noch leuchtend weiss abgesetzt und färbt sich erst in späteren Instaren in zunächst Orange-Tönen in das entgültige rot-bräunliche. Die Unterseite der imperatoren ist deutlich heller abgesetzt. Manche imperatoren haben eine glänzende lackartige Erscheinung, während andere wiederum einen grünlichen Schimmer aufweisen können.

Zur Unterscheidung der Geschlechter, gibt es eine recht einfache Methode. Rein vom Körperbau ist es kaum bis nicht ersichtlich ob sich ein weiblicher oder männlicher Skorpion vor einem befindet. Die simple Methode ist, sich die Genitalplatten (Opervulum) der Tiere anzuschauen.
Während die des männlichen Tieres ovalförmig sind und die Kämmzähne meist auch länger ausgeprägt sind, zeichnet sich das Operculum des weiblichen Tieres herzförmig ab. Die Kammzähne sind hier auch etwas kürzer.

Haltung
Diese Skorpionart lässt sich in den meisten Fällen gut in Gruppen halten. Innerartliche Aggressionen treten meist nur in Kombination mit Paarung oder unmittelbar vor dem Wurf bei trächtigen Tieren auf. Selten kommt es bei richtiger Haltung zu Kannibalismus. Nichts desto trotz, kann es auch bei diesen Tieren zu Komplikationen kommen und sofern die Tiere dann nicht getrennt werden zum Tod eines oder mehrerer Tiere kommen. Hierbei gilt auch - eine nachträgliche Vergesellschaftung eines Tieres in eine bestehende Gruppe ist immer mit größerem Risiko verbunden.
Die P. imperatoren sind ‚Stubenhocker‘. Dennoch sollte man ihnen ein gewisses Platzangebot bieten. Für ein adultes Tier geht man hier von einem Terrarium in der Grundfläche von 50x40 cm aus. Die Höhe des Terrariums ist nicht allzu ausschlaggebend. Die Skorpione können zwar klettern, halten sich aber in der Regel auf dem Boden auf. Daher genügt theoretisch durchaus auch eine Höhe von 30cm.
Mit entsprechendem Bodengrund usw. hat man hier allerdings nicht mehr sehr viel Luft zur Decke für Beleuchtung und co. Von daher ist etwas mehr an Höhe auch nicht verkehrt. Ein Pärchen imperatoren kann in einem Terrarium von 60x40 cm untergebracht werden. Bis zu einer Anzahl von 4 oder 5 Tieren sollte man dann auf ein 80x40 oder besser 80x50 cm Terrarium umsteigen. Dies erscheint auf den ersten Blick wenig, bedenkt man aber, dass die Tiere meist nur eine Ecke des Terrariums (Wohnhöhle) nutzen, reicht die Fläche durchaus aus. Natürlich spricht nichts dagegen den Tieren sofern die Möglichkeit besteht mehr Platz zur Verfügung zu stellen. Hier sind lediglich die Mindestmaße genannt.
Das Terrarium an sich muss gut belüftet sein. Als optimal haben sich die Terrarien mit einer Doppelbelüftung (Belüftungssteg vorn, und Lüftungsblech oben) erwiesen. Hier erreicht man eine gute Luftzirkulation, die der Bildung von Staunässe vorbeugt, welche es zu verhindern gilt. Staunässe birgt die Gefahr von Schimmelbildung. Bei diesen größeren Terrarien erhalt man eigentlich immer die Ausführung mit Schiebescheiben, welches aber kein Problem darstellt. Zur Sicherung kann man hier Schlösser verwenden, die ein Aufhebeln durch die Skorpione verhindern.
Als Bodengrund verwendet man hier am besten ungedüngte Erde oder ein Erde-Humus-Gemisch. Wichtig ist, dass der Bodengrund immer feucht gehalten wird und grabfähig ist. Die Substrathöhe sollte dem Grabtrieb der Tiere gerecht werden. Man sagt hier als Faustregel, dass eine Höhe von mind. 10-15cm gegeben sein sollte. Hat man ein Standardterrarium, ist dies auf Grund der geringen Steghöhe oft nicht machbar. Ein simpler Trick schafft hier Abhilfe. Das Substrat wird einfach nach hinten hin, höher eingefüllt. So hat man zwar ein Gefälle, aber die Tiere können sich im hinteren Bereich des Terrariums zurückziehen. Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium ist tropisch zu halten. Sprich tagsüber sollten die Werte im Bereich von 70-80% liegen und nachts dann entsprechend auf bis zu 90% ansteigen. Die Temperaturen sollten am Tag zwischen 28°C und 30°C liegen. Eine kühlere Ecke sowie Stellen mit höheren Temperaturen sind ideal. Hier können sich die Skorpione selbst ihre bevorzugte Temperatur suchen. Zur Einrichtung empfiehlt es sich auch Pflanzen einzusetzen. Diese schaffen ein schönes Bild und helfen auch gleichzeitig das Klima im Terrarium stabil zu halten. Moos kann zur Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit ebenfalls verwendet werden. Als Verstecke dienen Korkplatten und flache Steine wie Schieferplatten o.ä. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verstecke möglichst flachgehalten werden. Die Tiere fühlen sich bei Rückkontakt zur Deckung am wohlsten. Kokosnussschalen und dergleichen sind hier nicht ideal. Eine Wasserschale die stets gefüllt zu halten ist muss ebenfalls vorhanden sein. Um das Substrat sauber zu halten und Schimmelbildung vorzubeugen, empfiehlt es sich, dieses zu ‚impfen‘. Darunter versteht man, dass dort gezielt Bodenkulturen eingesetzt werden, die organisches Material fressen und zersetzen. Man nimmt hier meist sog. Springschwätze oder tropische Asseln. Auch simple ‚Kellerasseln‘ könnte man hier verwenden.

Verhalten
Der P. imperator ist ein sehr friedfertiger Vertreter der Skorpione. Er zeigt keine Aggressionen und zieht den Rückzug dem Angriff vor. Erst wenn er sich massiv bedroht fühlt, geht er in Verteidigungsstellung. Hier nutzt er allerdings auch vorrangig seine kräftigen Scheren bevor er zusticht.Wie alle Skorpione ist auch der P. imperator nachtaktiv. Sprich wenn man ihn beobachten kann, dann überwiegend in den nächtlichen Stunden. Meist liegt er aber in seiner Wohnhöhle oder seinem Versteck auf der Lauer und wartet auf Beute. Ein aktives Jagdverhalten weist der Skorpion nicht auf. Höchstens wenn dieser stark ausgehungert ist. Zum Beutefang verlässt er sich hier auf seine kräftigen Scheren und der Stachel kommt in der Regel nicht zum Einsatz.

Verpaarung & Nachzucht
Bei der Verpaarung sollte man auf jedenfall dabei sein und entsprechendes Werkzeug zur Hand haben um die Tiere zur Not schnell wieder trennen zu können.
Ich verwende dabei ein neutrales Terrarium in welchem ich nacheinander beide Tiere einsetze. Sind die auserwählten Partner in Stimmung, geht die Paarung recht schnell von statten. Der Bock fängt mit den typischen Zitterbewegungen an und sucht die Nähe des Weibes. Der Paarungstanz setzt dann recht schnell ein. Während der Paarung kann es zu Stichen untereinander kommen, welche meist aber harmlos verlaufen. Der Bock führt das Weib dabei zu einer geeigneten Stelle (Tanz) und setzte dort eine Spermatophore ab über welche er das Weib zieht. Nach geglückter Paarung trennen sich beide recht schnell wieder. Dies ist der Punkt an dem es auch recht schnell zu ernsthaften Aggressionen kommen kann. Um sicher zu gehen sollte der Bock möglichst nach der Verpaarung direkt wieder getrennt werden. Die Tragedauer der P. imperator kann bis zu 2 Jahren betragen. Im Mittel geht man von 14 bis 16 Monaten aus. Die Wurfgröße wird hier zwischen 8 und ca. 20 Jungtieren angegeben. Ca. 10 bis 14 Tage nach dem Wurf häuten sich die kleinen Skorplinge in das 2. Instar in dem sich dann auch den Rücken der Mutter verlassen und selbständig sind. Zu diesem Zeitpunkt ist es ratsam die Jungtiere vom Elterntier zu trennen.
Bei der Aufzucht halte ich die P. imperator gemeinsam oder in kleineren Gruppen. Die Aufzucht an sich ist recht unkompliziert und verläuft im Normalfall problemlos. Je nach Haltung benötigen die P. imperator bis zu 2 Jahren um das Adultstadium zu erreichen. Während die kleinen Instare recht schnell durchlaufen werden, verlängert sich die Zeit der letzten Häutung nicht selten auf bis zu einem Jahr.

Pandinus imperator - Paarungstanz

 

Futter
Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Mehlwürmer, Zophobas, Schaben

Persönlicher Kommentar
Seine friedliche Art, die Mindergiftigkeit und seine stattliche Größe lassen den Pandinus imperator oft zum Anfängerskorpion werden. Dies ist so gesehen sicherlich richtig. Allerdings stellt sich bei vielen Anfängern recht schnell Frustration ein, wenn sich der Skorpion nur selten zeigt. Dies liegt aber im natürlichen Verhalten dieser Art und ist eigentlich auch Zeichen dafür, dass die Haltungsparameter richtig sind. Ist man sich dieser Eigenschaft bewusst, ist der P. imperator ein sehr gut geeigneter Einsteigerskorpion.

Oft werden hier in Zoogeschäften oder auf Messen/Börsen Wildfänge angeboten. Die weiblichen Skorpione sind hier zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit trächtig, sprich man kann sich kurz-oder mittelfristig auf Nachwuchs einstellen. Bitte bedenkt das vor dem Kauf.
Ich persönlich finde, dass von dieser Art eigentlich gerade für Hobby-Einsteiger keine Wildfänge nötig sind. Es gibt genügend Nachzuchten im Hobby und man sollte die natürlichen Bestände nicht weiter belasten.

Zu dieser Art gibt es auch einen weiteren Punkt der beachtet werden muss.
Der Pandinus imperator ist auf der Washingtoner Artenschutzliste und unterliegt damit gewissen Auflagen, welche sich von Bundesland und Land an sich unterscheiden können. Prinzipiell gilt aber, dass hier ein Kaufnachweis geführt werden muss, der die Herkunft des Tieres rückschliessen lässt. Dies kann ein einfacher Kassenbon mit Name und Anschrift des Verkäufers sein.
Bis vor kurzem war der P. imperator auch meldepflicht, sprich ein Herkunftsnachweis musste vorhanden sein. Die Meldung bei entsprechend zuständigem Amt musste erfolgen. Dies ist derzeit nicht mehr gegeben, kann sich allerdings recht schnell wieder ändern. Dennoch ist es so, dass die Importe reglementiert sind und nur eine gewisse Anzahl an Tieren exportiert werden dürfen.

Hier gilt dennoch der Aufruf, sich vor dem Kauf über die jeweilige Rechtslage zu informieren.

Quellen
Illustrated catalog of scorpions Part 1 (F. Kovarik)
Scorpions of the World (E. Ythier, R. Stockmann)
Eigene Erfahrungen