Nebo hierochonticus

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse:Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpions)
Familie: Scorpionidae
Gattung: Nebo (Simon, 1878)
Art
:
hierochonticus (Francke, 1980)
Trivialname: keiner bekannt

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Vorab

Dieser Bericht, stammt von Babycurus112 und Stone-X aus dem Skorpione.de-Forum
. Die Bilder aus diesem Bericht habe ich weggelassen.
Derzeit versuche ich mich an der Aufzucht von Nebo hierochonticus aus einem WF-Wurf welche ich von Babycurus112 habe.



Herkunft und Vorkommen
Die natürlichen Habitate dieses Skorpions liegen in den Wüsten, Halbwüsten und Gebirgsregionen vornehmlich des nahen Ostens (dem
Libanon, Syrien, Israel und Jordanien) sowie in Ägypten auf der Halbinsel Sinai.

Äußere Merkmale und Geschlechtsunterschiede:
Nebo hierichonticus ist eine recht groß werdende Art, die eine Gesamtlänge von bis zu 13cm ( vor allem Weibchen ) erreichen kann, in der Regel beträgt die Größe 8-10 cm. Die Art besitzt große und längliche Scherenhände. Die Farbe reicht von einem hell über rotbraun bis hin zu einem Dunkelbraun.
Desweiteren gibt es auch schwarze Vertreter dieser Art. Die Laufbeine bei Nebo hierichonticus hingegen, bleiben immer heller im Gegensatz zum Körper!
Diese Skorpionart zeichnet sich durch eine ovale Giftblase und einen recht kurzen Giftstachel aus. Ein Subakuleardorn befindet sich unter dem Giftstachel!
Als sicherstes Zeichen zum Bestimmen des Skorpions zieht man die Kammzähne zu Rate!
Sie variieren bei Weibchen zwischen 11 und 17 und bei Böcken zwischen 14 und 22 Zähnen, dazu sind die Kammzähne beim Weibchen gerade, beim Bock hingegen leicht gebogen. Als äußere Geschlechtsunterschiede kann man bei den adulten Tieren den Körperbau vergleichen, da die Böcke in der Regel einen schlankeren Körperbau aufweisen, Weibchen dagegen wirken massiger!
Die Pedipalpen ( die komplette Scherenhände ) und die Chelae ( Scheren ) sind bei den Böcken stärker granuliert als bei den Weibchen.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sollen die Tergiten ( die Rückenplatten des Außenskeletts ) sein, da sie beim Bock matt und beim Weibchen eher glänzend wirken! Dies konnten wir bei unseren Tieren ( 7 (3.4) adulte ) so bestätigen!

Haltungsbedingungen:
In seinem natürlichen Habitat findet man Nebo hierichonticus unter großen Steinen, in selbst gegrabenen tiefen Höhlen und teilweise wird er auch in verlassenen Nagerbauten gefunden.
Nebo hierichonticus bewohnt aride bis semiaride Lebensräume in denen eine geringe Luftfeuchte bei hohen Temperaturen vorherrscht.

Da Nebo hierichonticus recht groß werden kann, empfehlen wir die Haltung in Terrarien mit den Maßen von min. 30x30x30cm. Einzelhaltung ist anzustreben, da die Art zu Kannibalismus neigt!
Dies wurde und wird von uns so vorgenommen! Wir haben drei Paar Nebo hierichonticus im 5 instar in die Terrarien gesetzt und diese bis ins adult Stadium (hier 7 instar ) gepflegt und dann verpaart!
Als Bodengrund haben wir ein grabfähiges Sand-Erde Gemisch verwendet (70% Sand und 30% Erde) welches wir ca. 15 cm hoch ins Terrarium eingebracht haben.
Pflanzen können eingebracht werden, jedoch ist wie bei allen grabenden Arten zu beachten, dass die Pflanze gegen ausgraben geschützt wird!
Unsere Nebo hierichonticus zeigen ein ausgeprägtes Grabverhalten!
Wir haben mehrere Versteckmöglichkeiten in Form von Steinen und Korkrindenstücken angeboten, diese werden aufgesucht, aber hauptsächlich hielten und halten sie sich in ihren selbst angelegten Höhlen auf!
Am Tage waren und sind sie zeitweise zu sehen!
Wir konnten beobachten, dass Nebo hierichonticus gern, die ihm angebotene Wasserschale nutzt, obwohl er ein Trockenraumbewohner ist!

Die Temperaturen haben wir zwischen 26 und 33 Grad gehalten, wobei lokal unter einem Spot Temperaturen von ca. 40 Grad erreicht werden.
Nachts wird die Temperatur von uns auf ca. 20 Grad gehalten.
Die Luftfeuchte im subadulten Stadium wird von uns auf einem Niveau zwischen 40 und 60% gehalten, was durch 2tägiges Sprühen erreicht wird! Im adult Stadium betrug die LF nur noch 40%.
Weiterhin wird aber eine Wasserschale bereitgestellt!

Paarung und Aufzucht der Nachzuchten:
Wir haben unsere Nebo hierichonticus einer 4 und 6 Wochen andauernden Winterruhe unterzogen, die sich anscheinend positiv auf die Paarungsbereitschaft ausgewirkt hat! Diese Winterruhe wurde bei 18 Grad von uns durchgeführt!
Wir habe die Böcke dann zu den Weibchen gegeben und relativ zeitnah begann die Paarung, die sich bei zwei Paaren zum Teil über knapp 2 Stunden hinzog! Am nächsten Tag haben wir sie wieder separiert! Bei dem anderen Paar gelang mir (Babycurus112) die Verpaarung nicht!
Nach einer Tragzeit von 10 Monaten brachte mein Weibchen 34 Jungtiere zur Welt.
Carlos Weibchen ist hochträchtig und er wartet auf die Geburt der Jungtiere!
Deshalb erst mal nur mein Erfahrungsbericht über meine Aufzucht!

Die Geburt selbst konnte ich leider nicht beobachtenweshalb auch keine Angaben zur Dauer möglich sind! Als ich mitbekam das die Geburt stattgefunden hatte, sah ich, wie eins der Jungtiere von der Mutter verspeist wurde und ein Jungtier fand ich Tod im Terrarium!
Nach 12 Tagen haben sich die Jungtiere das erste Mal gehäutet und weitere 7 Tage später haben die Jungtiere die Mutter verlassen!

Nun galt es die Jungtiere einzusammeln, zu separieren und zu zählen! Es waren also 34 Jungtiere geboren worden, da aber bereits 3 gefressen ( beobachtet ) und eins Tod war blieben mir noch 30 Stück!
Diese zog ich in Heimchen Dosen auf, die mit einem grabfähigen Sand-Erde-Gemisch gefüllt war!

Die Aufzucht Temperatur habe ich auf ca. 30 Grad eingestellt und die Luftfeuchtigkeit war bei ca. 50%.
Im ersten Jahr verstarben leider 12 Jungtiere im 2 instar, im 2. Jahr sind mir 10 Tiere im 3 instar verstorben und nach 2,5 Jahren hatte ich nur noch ein Tier im 5 Instar, welches nach 3 Jahren und 2 Monaten die Adulthäutung vollzog, nach zuvor erfolgten 6 Häutungen! Also nach 38 Monaten!! Dieses Tier stellte sich als Bock heraus und verstarb nach 15 Monaten.
Fünf der Tiere sind durch Futtertiere gestorben, die sich in den gegrabenen Höhlen der Skorpione anscheinend versteckt hielten und sich so der Kontrolle entzogen!
Letztendlich habe ich zur Aufzuchtsdauer noch Literatur heranziehen müssen, in der von einer Aufzuchtszeit von bis zu 50 Monaten die Rede ist!

Leider eine sehr traurige Bilanz, welche sehr wahrscheinlich auf meine damals mangelnde Erfahrung und falschen Haltungsparameter zurückzuführen ist.
Da so gut wie alle Tiere verstorben sind, sind die Haltungsparameter anzuzweifeln!
Jedoch werden in der Literatur, die sehr spärlich ist, diese Werte bestätigt!
Eventuell sollte man bei Jungtieren eine Luftfeuchtigkeit von 60% anstreben und die Temperaturen um 28 Grad einstellen!


Verhalten von Nebo hierichonticus:
Nebo hierichonticus reagiert auf Störungen teilweise sehr gereizt und weicht dann auch keinen cm zurück!
Er ist des Öfteren auch mal am Tag zu beobachten! Jedoch verbringt er die meiste Zeit verborgen, in seinen selbstgegrabenen Höhlen! Den Wassernapf benutzt er gern und oft!

Toxizität:
Nebo hierichonticus zählt zu den medizinisch für den Menschen bedeutenden Skorpionen. Sein Gift führt zu Blutgerinnungsstörrungen und ausgeprägter kardiovaskulärer Symptomatik. Der Schmerz soll mittelstark auftreten!
Eigene Erfahrung mit einem Stich hatten wir noch nicht.

Abschließend ist zu sagen, dass Nebo hierichonticus dem Anfänger nicht zu empfehlen ist, da er nach unseren eigenen Beobachtungen ein sehr stechfreudiger, nicht zurückweichender und sehr giftiger Skorpion ist!
Und zur Aufzucht dieser Skorpione ist Geduld angeraten, da es sehr lange dauert bis sie adult sind!
Zur Zeit hab ich ( Babycurus112) auch wieder drei Tiere und werde einen neuen Versuch starten!

Quellangaben:
Mahsberg, D., R. Lippe &Kallas (1999)
Kleber,J.j.et al (1999)
Rosin, R.& A.shulov ( 1963 )
Levi, G&P. Amitai (1980)
Bericht von Alex Stürtz in der Arachne

sowie eigene Erfahrungen von stone- x und Babycurus112 ( 2003-2009)

Wir hoffen, dass der Bericht euch gefällt und er hilft bei der Haltung und Nachzucht von Nebo hierichonticus!
Der Bericht ist hauptsächlich auf eigene Beobachtungen zurückzuführen, da es wenig Literatur über diese Art gibt!

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