Heterometrus spinifer

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpions)
Familie: Scorpionidae
Gattung: Heterometrus (Ehrenberg, 1828)
Art: spinifer (Ehrenberg, 1828)
Trivialname: asiatischer Kaiserskorpion



Herkunft und Vorkommen
Heterometrus spinifer kommt in Malaysia und weiten Teilen Thailands vor.
Dort hält er sich in tropischen Regenwäldern und Feuchtwäldern auf. Er gräbt Wohnhöhlen im Erdreich in denen er sich aufhält. Auch unter Steinen oder umgefallenen Bäumen ist er zu finden.

Giftigkeit
Diese Art ist als mindergiftig einzustufen. Man spricht hier von einer Vespenstich-Symptomatik. Der Stich verursacht mässige bis starke Schmerzen ist aber ohne weitere Folgen. Dennoch können sich allergische Reaktionen des Körpers einstellen.

Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede
Die H. spinifer sind wohl nach dem Pandinus imperator mit die bekanntesten Arten im Hobbymarkt. Ihr Trivialbezeichnung als asiatischer Kaiserskorpion, aufgrund der Ähnlichkeit zum afrikanischen Verwandten brachte und bringt auch heute noch einige durcheinander. Tatsächlich hat er äusserlich gleiche Erkennungsmerkmale, doch unterscheidet er sich durchaus nicht zuletzt durch seine eher schlankere und filigranere Erscheinungsform von diesem. Aber auch er gehört zur Familie der Scorpionidae und erreicht durchschnittlich eine Größe von bis zu 15cm. Der Körper dieses Skorpions ist durchgehend dunkel schwarz gefärbt. Die Giftblase adulter Tiere ist rot-bräunlich gefärbt und ist deutlich und kräftig ausgeprägt. Der Skorpion weist eine leichte Granulierung auf. Jungtiere sind anfangs heller und dunkeln dann aber schnell nach. Ihre Giftblase bleibt allerdings einige Instare lang weiss und färbt sich erst ab der 4./5. Häutung langsam, zunächst in Orange-tönen dunkler, bis die entgültige Färbung in eine, rötlich-braun erreicht ist. Manche Tiere haben auch eine fast schwarze Giftblase.
Zur Unterscheidung der Geschlechter, gibt es eine recht einfache Methode. Rein vom Körperbau ist es kaum bis nicht ersichtlich ob sich ein weiblicher oder männlicher Skorpion vor einem befindet. Die simple Methode ist, sich die Genitalplatten (Opervulum) der Tiere anzuschauen.
Während die des männlichen Tieres ovalförmig sind und die Kämmzähne meist auch länger ausgeprägt sind, zeichnet sich das Operculum des weiblichen Tieres herzförmig ab. Die Kammzähne sind hier auch etwas kürzer. Eine andere optische Unterscheidung der Geschlechter ist schwierig, da sich Anzahl der Kammzähne bei beiden Geschlechtern überschneiden. Sie besitzen beide zwischen 15-19 Kammzähne. Auch die Scheren unterscheiden sich bei beiden Geschlechtern nicht.

Haltung
Diese Skorpionart lässt sich in den meisten Fällen gut in Gruppen halten. Innerartliche Aggressionen treten meist nur in Kombination mit Paarung oder unmittelbar vor dem Wurf bei trächtigen Tieren auf. Selten kommt es bei richtiger Haltung zu Kannibalismus. Nichts desto trotz, kann es auch bei diesen Tieren zu Komplikationen kommen und sofern die Tiere dann nicht getrennt werden zum Tod eines oder mehrerer Tiere kommen. Hierbei gilt auch - eine nachträgliche Vergesellschaftung eines Tieres in eine bestehende Gruppe ist immer mit größerem Risiko verbunden.
Bei der Terrariengestaltung ist darauf zu achten, dass die Heterometrus spinifer gerne auch graben und eine entsprechende Substrattiefe zur Verfügung gestellt werden sollte. Auch da die Tiere recht groß werden, sollte ein gewisses Platzangebot vorhanden sein.
Für ein adultes Tier geht man hier von einem Terrarium in der Grundfläche von 50x40 cm aus. Die Höhe des Terrariums ist nicht allzu ausschlaggebend. Die Skorpione können zwar klettern, halten sich aber in der Regel auf dem Boden auf. Daher genügt theoretisch durchaus auch eine Höhe von 30cm.
Mit entsprechendem Bodengrund usw. hat man hier allerdings nicht mehr sehr viel Luft zur Decke für Beleuchtung und co. Von daher ist etwas mehr an Höhe auch nicht verkehrt. Ein Pärchen H. spinifer kann in einem Terrarium von 60x40 cm untergebracht werden. Bis zu einer Anzahl von 4 oder 5 Tieren sollte man dann auf ein 100x50 cm Terrarium umsteigen. Natürlich spricht nichts dagegen den Tieren sofern die Möglichkeit besteht mehr Platz zur Verfügung zu stellen. Hier sind lediglich die Mindestmaße genannt.
Das Terrarium an sich muss gut belüftet sein. Als optimal haben sich die Terrarien mit einer Doppelbelüftung (Belüftungssteg vorn, und Lüftungsblech oben) erwiesen. Hier erreicht man eine gute Luftzirkulation, die der Bildung von Staunässe vorbeugt, welche es zu verhindern gilt. Staunässe birgt die Gefahr von Schimmelbildung. Bei diesen größeren Terrarien erhalt man eigentlich immer die Ausführung mit Schiebescheiben, welches aber kein Problem darstellt. Zur Sicherung kann man hier Schlösser verwenden, die ein Aufhebeln durch die Skorpione verhindern.
Als Bodengrund verwendet man hier am besten ungedüngte Erde oder ein Erde-Humus-Sand-Gemisch. Wichtig ist, dass der Bodengrund immer feucht gehalten wird und grabfähig ist. Die Substrathöhe sollte dem Grabtrieb der Tiere gerecht werden. Man sagt hier als Faustregel, dass eine Höhe von mind. 15cm gegeben sein sollte. Hat man ein Standardterrarium, ist dies auf Grund der geringen Steghöhe oft nicht machbar. Ein simpler Trick schafft hier Abhilfe. Das Substrat wird einfach nach hinten hin, höher eingefüllt. So hat man zwar ein Gefälle, aber die Tiere können sich im hinteren Bereich des Terrariums zurückziehen. Wichtig ist, dass der Bodengrund in jedem Fall grabfähig ist. Dies kann bei lockerem Substrat leicht durch die Zugabe von Lehmpulver erreicht werden.
Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium ist tropisch zu halten. Sprich tagsüber sollten die Werte im Bereich von 70-80% liegen und nachts dann entsprechend auf bis zu 90% ansteigen. Die Temperaturen sollten am Tag zwischen 28°C und 30°C liegen. Eine kühlere Ecke sowie Stellen mit höheren Temperaturen sind ideal. Hier können sich die Skorpione selbst ihre bevorzugte Temperatur suchen. Zur Einrichtung empfiehlt es sich auch Pflanzen einzusetzen. Diese schaffen ein schönes Bild und helfen auch gleichzeitig das Klima im Terrarium stabil zu halten. Moos kann zur Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit ebenfalls verwendet werden. Als Verstecke dienen Korkplatten und flache Steine wie Schieferplatten o.ä. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verstecke möglichst flachgehalten werden. Die Tiere fühlen sich bei Rückkontakt zur Deckung am wohlsten. Kokosnussschalen und dergleichen sind hier nicht ideal. Eine Wasserschale die stets gefüllt zu halten ist muss ebenfalls vorhanden sein. Um das Substrat sauber zu halten und Schimmelbildung vorzubeugen, empfiehlt es sich, dieses zu ‚impfen‘. Darunter versteht man, dass dort gezielt Bodenkulturen eingesetzt werden, die organisches Material fressen und zersetzen. Man nimmt hier meist sog. Springschwätze oder tropische Asseln. Auch simple ‚Kellerasseln‘ könnte man hier verwenden.

Verhalten
Der Heterometrus spinifer ist ein eher friedfertiger Vertreter der Skorpione. Er zeigt keine Aggressionen und zieht den Rückzug dem Angriff vor. Erst wenn er sich massiv bedroht fühlt, geht er in Verteidigungsstellung. Hier nutzt er allerdings auch vorrangig seine kräftigen Scheren bevor er zusticht. Wie alle Skorpione ist auch der H. spinifer nachtaktiv. Sprich wenn man ihn beobachten kann, dann überwiegend in den nächtlichen Stunden. Dann sieht man ihn beim Ausbau seine Wohnhöllen oder auch gern mal ausserhalb die Oberfläche erkunden. Während die jungen Skorpione auch mal ihrer Beute nachstellen, verlieren die adulten Tiere das Jagdfieber und erlegen die Beute aus dem Hinterhalt in Lauerstellung. Zum Beutefang verlässt er sich hier auf seine kräftigen Scheren und der Stachel kommt in der Regel nicht zum Einsatz.

Verpaarung & Nachzucht
Bei der Verpaarung sollte man auf jedenfall dabei sein und entsprechendes Werkzeug zur Hand haben um die Tiere zur Not schnell wieder trennen zu können.
Ich verwende dabei ein neutrales Terrarium in welchem ich nacheinander beide Tiere einsetze. Sind die auserwählten Partner in Stimmung, geht die Paarung recht schnell von statten. Das Männchen nimmt sofort die Geruchsspur des Weibchens war, fängt mit den typischen Zitterbewegungen an und sucht die Nähe des Weichens. Der Paarungstanz setzt dann recht schnell ein. Während der Paarung kann es zu Stichen untereinander kommen, welche meist aber harmlos verlaufen. Das Männchen führt das Weibchen dabei zu einer geeigneten Stelle (Tanz) und setzte dort eine Spermatophore ab über welche er das Weibchen zieht. Nach geglückter Paarung trennen sich beide recht schnell wieder. Dies ist der Punkt an dem es auch recht schnell zu ernsthaften Aggressionen kommen kann. Um sicher zu gehen sollte das Männchen möglichst nach der Verpaarung direkt wieder getrennt werden. Die Tragedauer der H. spinifer kann bis zu 2 Jahren betragen. Im Mittel geht man von 14 bis 16 Monaten aus. Die Wurfgröße wird hier zwischen 8 und ca. 35 Jungtieren angegeben. Ca. 10 bis 14 Tage nach dem Wurf häuten sich die kleinen Skorplinge in das 2. Instar in dem sich dann auch den Rücken der Mutter verlassen und selbständig sind. Zu diesem Zeitpunkt ist es ratsam die Jungtiere vom Elterntier zu trennen. Ich hatte Wildfänge die bei mir Würfe von über 40 Jungtieren hatten. Die Nachzuchten dagegen waren nicht ganz so wurfstark aber dennoch immer im Bereich von 25 und größer.
Bei der Aufzucht halte ich die Heterometrus spinifer gemeinsam oder in kleineren Gruppen. Die Aufzucht an sich ist recht unkompliziert und verläuft im Normalfall problemlos. Je nach Haltung benötigen die Kleinen bis zu 2 Jahren um das Adultstadium zu erreichen. Während die kleinen Instare recht schnell durchlaufen werden, verlängert sich die Zeit der letzten Häutung nicht selten auf bis zu einem Jahr.

Futter
Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Mehlwürmer, Zophobas, Schaben

Persönlicher Kommentar
Die Heterometrus spinifer sind tolle und genügsame Pfleglinge. Ihre mindergiftige und friedliche Art machen sie zum optimalen Einsteigerskorpion.
Am besten ist aber, man besorgt sich zunächst junge Skorpione, da diese noch deutlich aktiver sind. Adulte Skorpione werden mehr und mehr zu Stubenhockern, s.d. man sie auf tagelang nicht zu Gesicht bekommt. Die kleinen Skorplingen legen viele Höhlen und Gangsysteme an aus deren Eingangslöchern sie dann rausschauen.
Ich hatte lange Zeit keine H. spinifer bei mir in der Haltung, aber diese aber wieder neu für mich entdeckt, da sie eben durch die filigrane Körperausprägung, ohne aber an Größe einzubüsen unglaublich imposant wirken. Die H. spinifer sind nun wieder fester Bestandteil meiner Zucht.

Quellen
Illustrated catalog of scorpions Part 1 (F. Kovarik)
Eigene Erfahrungen