Unerwarteter Nachwuchs - was nun?

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Ihr habt einen Skorpion in eure Obhut übernommen und nun beschenkt er euch mit Nachwuchs? Dann herzlichen Glückwunsch! :)
Damit ihr aber nicht die große Panik ausbricht, hier mal ein paar Infos wie man am besten vorgeht.

Sofern ihr ein Skorpion von Börsen oder aus dem Zoohandel erworben habt, sind dies mit großer Wahrscheinlichkeit leider noch Wildfänge.
Bei Wildfängen kommt es meist immer vor, dass die Weiber bereits verpaart und trächtig sind und sich die zukünftigen Halter auf Nachwuchs einstellen können.
Bei Pandinus und Heterometrus sp. dauern die Tragezeiten bis 24 Monate, was bedeuten kann, dass ihr auch ein Jahr nach dem Kauf noch mit Nachwuchs überrascht werden könnt, selbst ihr kein Bock zur Verpaarung da hattet und der Skorpion einzeln gehalten wurde. Anzeichen dafür sieht man meist aber schon vorher.

Die Skorpione werfen meist in der Nacht. Die Anzahl der Jungtiere pro Wurf variiert stakt von Art zu Art und Gattung zu Gattung. So sind bei ariden Skorpionen wie Parabuthus oder Androctonus sp. meist wesentlich größere Wurfzahlen bekannt wie bei Pandinus und Heterometrus.
Bei der Geburt sind die Skorpione völlig wehrlos. Man spricht in diesem Stadium auch häufig von Nymphen. Sie sind vollständig auf den Schutz des Muttertieres angewiesen und klettern unmittelbar nach der Geburt auf deren Rücken. Das Muttertier reagiert in der Zeit in der es die Jungen auf dem Rücken hat oftmals mit erhöhter Aggressivität und deuldet keinerlei Eindringlinge.
In der Zeit in der der Skorpion wirft, sollte dieser nicht gestört werden. Bei übermässiger Störung reagiert das Tier nicht selten damit, dass es die Nymphen abwirft und ggf. dann auch frisst.
Verläuft alles seinen geregelten Gang, verweilen die jungen Skorpione auf dem Rücken des Elterntieres bis sich erstmals häuten. Mit dieser Häutung sind sie dann im 2. Instar (Entwicklungsstadium). Die Häutung führen die kleinen noch auf dem Rücken der Mutter durch und bleiben dann noch auf dem Rücken bis sie ausgehärtet sind. Ab diesem Zeitpunkt sind die Jungen in der Lage sich selbst zu versorgen und fangen auch schon recht schnell an, eigenständig die Gegend zu erkunden. Dabei kann es durchaus sein, dass sie noch nicht vollständig ausgehärtet sind. Auch kann es sein, dass einige bereits im Terrarium unterwegs sind, während andere gerade erst mit der Häutung durch sind. Gerade bei sehr großen Würfen ist die Entwicklungsspanne der einzelnen Skorpione größer.

Bis dahin ist noch keine Aktion eurerseits notwendig. Sobald aber die kleinen Skorpione ausgehärtet sind und sich frei im Terrarium bewegen, solltet ihr sie aus dem Terrarium der Elterntiere rausholen. Geht dabei mit entsprechender Vorsicht und Behutsamkeit vor. Und vor allen Dingen lasst euch Zeit!
Je nach Art könnt ihr die Jungen gemeinsam oder in kleineren Gruppen aufziehn oder müsst diese separieren und einzeln aufziehn. Schaut euch dazu entsprechende Haltungsberichten zu den jeweiligen Arten an und sprecht mit erfahrenen Haltern.

Sobald ihr hiermit durch seid, könnt ihr das Muttertier wieder normal füttern. Die kleinen Skorpione solltet ihr dann auch versorgen. Reicht ihnen Futtertiere in ihrer entsprechenden Größe. Micro und oder kleine Heimchen/Grillen sind da meist gefragt.

Zur Aufzucht von vielen Jungtieren die einzeln aufgezogen werden müssen, wird man in der Regel keine Terrarien verwenden. Hier geht man her und nutzt Heimchendosen, oder Behältnisse in entsprechende Größe. Unter Skorpionhaltern wird hier häufig auch von BraPlast Dosen gesprochen. Dies sind rechteckige Plastikdosen der Firma BraPlast, welche sich im Hobby grpßer Beliebtheit erfreuen. Ich selbst nutzer diese auch sehr gerne. Ansonten gibt es nicht keine weiteren Vorgaben. Wichtig ist, dass die Dosen gut verschlossen werden können und dicht sind. Natürlich sollten Luftlöcher vorhanden sein. Falls ihr hier selbst hand anlegen müsst, achtet darauf, dass diese nicht so groß werden, dass die Skorplinge durchschlüpfen können. Aber das versteht sich ja von selbst.

In Sachen Haltungsbedingen solltet ihr euch in erster Näherung natürlich erstmal an den adulten Tiere orientieren. Oftmals werden Jungtiere aber mit etwas anderen Bedingungen großgezogen. Gerade die Feuchtigkeit spielt hier eine Rolle. Für Anfänger ist der Grad zwischen zu trocken und zu feucht oft nicht gut einzuschätzen. Da gibt es nur eins. Profitiert von den Erfahrungen anderer und scheut euch nicht zu fragen.


Natürlich gibt es aber auch Fehlwürfe bei Skorpionen. Gerade bei frisch adulten Skorpionen die das erste mal Werfen oder bei Tieren, die in der Phase der Trächtigkeit falsch oder schlecht gehalten wurden, kann es zu Fehlwürfen kommen. Unbefruchtete Eier oder unvollständig entwickelte Jungtiere sind die Folge.
Was ihr in einem solchen Fall tun müsst? Naja, primär erstmal nichts. Daran ändern könnt ihr nichts. Jetzt gilt es, das Muttertier wieder aufzupeppeln. Reicht ihr Futter. Die unbefruchteten Eier und toten Skorplinge wird sie sowieso fressen um sich die Nährstoffe wieder zurückzuholen.

Was auch vorkommen kann ist, dass der Skorpion im Zuge der Gefangenschaft und des Imports bis hin zum Verkauf an euch, so schlecht gehalten wurde, dass im keine Futterreserven zur Verfügung standen und das Tier völlig ausgezerrt und gestresst ist. In diesem Fall kann es sehr wahrscheinlich sein, dass das Muttertier die Jungen direkt nach der Geburt frisst um selbst zu überleben.
In dem Fall könnt ihr leider auch nichts weiter tun, als das Elterntier so gut wie möglich zu pflegen.